Atemgymnastische Übungen:
Atemgymnastische Übungen sind Bewegungen von Rumpf und Extremitäten,
die weiterlaufend eine Rippenhebung oder -senkung bewirken und ein tieferes
Ein- und Ausatmen erfordern. Sie dienen der Thoraxmobilität, der Infektfreiheit
der Lunge, einer verbesserten Vitalkapazität und der Sekretlösung.
Dazu zählen: aktive und passive Dehnzüge; manuelle Techniken (z.B.
Packegriffe und Vibrationen) oder auch Bewegungen mit Geräten (Stäbe,
Reifen, Therabänder); Dehnlagen und Dehnstellungen und atemerleichternde
Stellungen.
Bewegungsbad:
Das Bewegungsbad dient der Übungsbehandlung im Wasser. Der Körper
wiegt nur noch 10% seines ursprünglichen Gewichts. Bewegungen werden
leichter, bei inkompletten Paresen überhaupt erst möglich. Durch
erleichterte Bewegungen und verminderte Schmerzen ist die Motivation zur
Bewegung erhöht. Das Bewegungsbad ist eine gute und sinnvolle Ergänzung
zur "Trockenbehandlung". Nachteil: Ausweichbewegungen sind eher
möglich und schwerer zu erkennen.
Bobath-Konzept für Kinder:
Die Behandlung dient der Anbahnung physiologischer Bewegungsmuster und der
Hemmung abnormaler Bewegungsmuster. Nach diesem Konzept werden Kinder mit
zerebralen Koordinationsstörungen, mit sensomotorischen Störungen
und mit genetisch bedingten Behinderungen behandelt. Die Bewegungsabläufe
werden im Verlauf der Behandlung genau beobachtet und dem aktuellen Entwicklungsstand
angepasst. Das Kind wird über seine unterschiedlichen Wahrnehmungssysteme
zu Bewegungen stimuliert, pathologische Bewegungsmuster werden durch den
Therapeuten gehemmt und physiologische Bewegungen ausgelöst.
(Beispiele: Kopfkontrolle, Hand-Hand-Koordination, Sitzen, Krabbeln, ...)
Dehnungsprogramme:
Dehnungsprogramme verbessern die Dehnfähigkeit elastischer Strukturen
und vergrößern somit den Bewegungsumfang. Dehnungsprogramme sollten
2-3 mal pro Woche von jeweils 10-15 Minuten Dauer durchgeführt werden.
Man unterscheidet zwischen dynamischen Dehnungen, passiven statischen Dehnungen,
Anspannungs-/Entspannungsdehnungen und aktiv-statischen Dehnungen. Dynamische
Dehnungen sind kurz und schwingend und werden im Sport häufig durchgeführt.
Passive statische Dehnungen sind lang anhaltend 15-30 sek., werden aber
nur 2-4 mal wiederholt. Sie sind eine effektive Dehnmethode, wobei Schmerzen
vermieden, "Ziehen" aber erlaubt ist. Bei der Anspannungs-/Entspannungsdehnung
wird die Dehnstellung mit isometrischer Anspannung 3-8 sek. gehalten, danach
entspannt und 10 sek. weitergedehnt. Diese therapeutische Dehntechnik wird
vor allem bei verkürzter Muskulatur angewendet und ebenfalls 2-4 mal
wiederholt. Beim aktiv-statischen Dehnen wird eine Dehnstellung eingenommen
und diese durch Anspannen der Gegenspieler 10-20 sek. verstärkt. 2-3
Wiederholungen reichen aus.
Elektrotherapie:
Die Elektrotherapie wird zur Schmerzlinderung, Durchblutungsförderung,
Stoffwechselsteigerung, Muskelkräftigung oder Muskelentspannung eingesetzt.
Je nach Krankheitssymptomen kommen spezielle Stromformen und Elektroden
zum Einsatz.
Ergotherapie:
Mittels alltagsspezifischen Übungen wird dem Menschen geholfen, eine
durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung verloren gegangene bzw. noch
nicht vorhandene Handlungsfähigkeit im Alltagsleben zu erlernen.
Fußreflexzonentherapie (RZF):
Diese Therapie arbeitet mit der im Menschen vorhandenen Regenerationskraft.
Für jedes Organ, Gewebe und Gelenk des Körpers findet sich am
Fuß eine entsprechende Reflexzone wieder. Mit spezieller Grifftechnik
werden die Reflexzonen des Fußgewebes stärker durchblutet und
geordnet. Angewendet wird diese Therapie bei Organbeschwerden, Kopfschmerz,
bei allergischen Erkrankungen (z.B.Asthma) und bei statisch-muskulären
Fehlhaltungen (z.B. Ischialgien, Blockaden). Sie lässt sich sehr gut
mit anderen Therapieformen kombinieren.
Gangschule:
Ziele der Gangschule sind einerseits Erreichen bzw. Erhalten eines physiologischen,
harmonischen Gangbildes, andererseits das Vermeiden oder Behandeln von abnormen
Bewegungsmustern. Inhalte der Ganganalyse sind Fußstellung, Fußbelastung,
Abrollbewegung, Schrittlänge, Schrittrhythmus, Spurbreite, Knie, Hüfte
Becken, Rumpf, Schultern, Ellenbogen, relativer Armschwung.
Auch der Umgang mit Gehhilfen wird in der Gangschule erlernt.
Haltungs- und Gleichgewichtsschulung:
Haltungsschulung dient der Bewältigung alltäglicher motorischer
Anforderungen (Sitzen, Gehen, Stehen, Alltagsbewegungen) mit dem Ziel, alle
Strukturen des Körpers optimal zu belasten. Wichtig ist die Übertragung
der Bewegungsmuster ins tägliche Leben. Bewegungsverhalten an den Alltagssituationen
werden analysiert und ggf. verändert.
Inhalation:
Bei der Inhalation werden Medikamente und Heilwässer zerstäubt
und in die Atemwege mit der Einatmung transportiert. Ziel ist die Befeuchtung,
Abschwellung und Sekretlösung von der Bronchialschleimhaut. Auch Medikamente
zur Behandlung von Infekten und Entzündungshemmung können eingesetzt
werden. Die Applikation erfolgt mittels Inhalationsgeräten, Sprays,
Dosier- oder Ultraschall-Aerosolen.
Kolonmassage:
Die Kolonmassage ist eine reflextherapeutische Methode, die durch manuelle
Reizung von fünf Kolonpunkten funktionsordnend auf die Bauchorgane
einwirkt. Diese Punkte werden nacheinander aufgesucht und mit kreisenden
Bewegungen entsprechend dem Atemrhythmus massiert (je Punkt ca. 2 min).
Die Kolonmassage nimmt Einfluss auf den vegetativen Tonus der Bauchorgane
und auf die Peristaltik des Dickdarms. Sie wird bei Bedarf einmal täglich
durchgeführt.
Lymphdrainage:
Durch schonende manuelle Gewebsverformungen überwiegend an der Körperoberfläche
wird der Abtransport von Gewebeflüssigkeit gefördert. Die Griffe
orientieren sich dabei am Verlauf der Lymphgefäße. Lymphdrainage
kommt bei Ödemen verschiedener Ursachen, bei Schwellungen aber auch
bei Migräne zum Einsatz.
Manuelle Therapie:
Die Manuelle Therapie dient dem Auffinden und der Behandlung von Dysfunktionen
am Bewegungsapparat mit dem Ziel des Erhalts oder der Wiederherstellung
der normalen Funktion im Gelenk und allen funktionell und strukturell damit
verbundenen Geweben. Sie umfasst verschiedene Behandlungstechniken:
•Behandlung akuter Schmerzzustände durch Traktion, Bewegen im
schmerzfreien Bereich, Weichteiltechniken zur Schmerzhemmung
• Behandlung chronischer Schmerzzustände durch Auslösen
eines neuen Entzündungstraumas und nachfolgender bestmöglicher
Ausheilung und durch Reduzierung der Belastung bei degenerativen Veränderungen,
z.B. Mobilisation BWS + Stabilisation LWS, Haltungsschulung
• Entspannende Behandlung nach Verletzungen und Verspannungen mittels
Traktionen und Weichteiltechniken im schmerzfreien Bereich
• Gewebsspezifische funktionelle Maßnahmen bei beginnenden Heilungsprozessen
mittels Spannungsübungen für Muskelgewebe, Zugreize für Sehnen-
und Bandgewebe, Kompression für Knorpelgewebe und limitierte Bewegungen
im schmerzfreien Bereich
• Mobilisierende Behandlung zur Erhaltung vorhandener, Verzögerung
verschwindender und Wiederherstellung eingeschränkter Beweglichkeit
mittels Dehnungen, Gelenkmobilisation und Lösung verklebter Bänder,
Schleimbeutel oder Nerven
• Stabilisierende Behandlung zur koordinativen Muskelführung
angefangen mit Unterstützung von Hilfsmitteln wie Tape, Korsett, Gurt
oder Orthesen bis hin zum Krafttraining nach der Medizinischen Trainingstherapie
Massage:
Die Massage ist eine Therapiemethode zur Beeinflussung des Spannungs- und
Ernährungszustandes der Haut und Muskulatur, zur Behandlung von Kontrakturen,
Narben und Zirkulationsstörungen durch Dehnungs-, Zug- und Druckreize.
Sie wirkt durchblutungsfördernd, entstauend, schmerzlindernd, entspannend
und über Reflexbögen auf die inneren Organe.
Medizinische Trainingstherapie:
Die Medizinische Trainingstherapie entspricht weitgehend dem so genannten
Aufbautraining. Sie dient der Wiederherstellung der bestmöglichen muskulären
Funktion: Kraft, Ausdauer und Koordination und der bestmöglichen Gelenkfunktion
mit allen beteiligten Strukturen. Alltags- uns sportspezifische Bewegungsmuster
werden erlernt und somit erneuten Verletzungen vorgebeugt.
Inhalte des Aufbautrainings sind Mobilisation, Stabilisation, funktionelles
Muskelaufbautraining, Muskelbelastungstraining.
Trainingselemente sind statisches und dynamisches Krafttraining, Ausdauer,
Beweglichkeit und Dehntechniken.
Mobilisationstechniken:
Mobilisationstechniken dienen der Erhaltung vorhandener, Verzögerung
schwindender und Wiederherstellung eingeschränkter Beweglichkeit. Hierzu
zählen: Muskeldehnungen, Gelenkmobilisationen, Lösung verklebter
Bänder, Bursen (Schleimbeutel) und Nerven.
Orthesen:
Orthesen sind Heil- und Hilfsmittel zum Funktionsausgleich des Bewegungsapparates.
Sie umfassen u.a. Schienen, Bandagen, Korsette, Stützmieder, Spreizhosen,
Innenschuhe, Einlagen.
Osteopathie:
Osteopathie ist eine manuelle Methode zur Diagnostik und Therapie von geweblichen
Spannungen im gesamten Körper. Ziel ist es, die selbstregulierenden
Mechanismen des Körpers wiederherzustellen und somit die natürlichen
Regenerations- und Reparationsmöglichkeiten zu stimulieren. Es werden
hauptsächlich sanfte manuelle Techniken angewandt. Es ist eine komplexe
Behandlung, die sich in drei Ebenen unterteilen lässt: die muskeloskelettale
Ebene (Bewegungsapparat), die viszerale Ebene (innere Organe) und die kraniale
Ebene (Kopf).
Passive Techniken:
Passive Techniken sind Maßnahmen, die am Patienten durchgeführt
werden. In der Physiotherapie gehören dazu Traktionen und passives
Bewegen.
Traktionen: Die Gelenkflächen eines Gelenkes werden unter Zug voneinander
entfernt, die Gelenkkapsel wird dabei gestrafft.
Passives Bewegen: Die Gelenke werden ohne willkürliche Muskelarbeit
bewegt. Ziel dabei ist eine Kontrakturprophylaxe und -eingrenzung sowie
eine Mobilisation oder Prüfung der Gelenkbeweglichkeit.
Snoezelen:
Snoezelen ist ein Kunstwort, das sich aus den holländisches Verben
für schnuppern (snuffelen) und dösen (doezelen) zusammensetzt.
In Spezialräumen werden mit besonderen Hilfsmitteln die Sinne angeregt,
um sich Zugang zur Gefühlswelt zu verschaffen.
Sporttherapie:
Sporttherapie versteht sich als Unterstützung oder Fortführung
der Physiotherapie mit Trainingsmethoden und -mitteln des Sports.
Stemmführungen:
Bei Stemmführungen nach Brunkow werden die Extremitäten in bestimmte
Haltungen eingestellt. Durch eine gedachte oder tatsächlich ausgeführte
Stemm- bzw. Schubbewegung der Hände und /oder Füße setzt
sich die Muskelspannung bis in den Rumpf fort. Dies wiederum bewirkt die
unwillkürliche Rumpfaufrichtung mit isometrischer Ganzkörperspannung.
Diese Behandlung lässt sich sehr gut mit Grundzügen andere Konzepte
erweitern. Stemmführungen sind besonders zur Stabilisierung bei Wirbelsäulenerkrankungen
geeignet.
Therapeutisches Reiten:
Therapeutisches Reiten beinhaltet drei unabhängige Arbeitsbereiche,
die sich jedoch teilweise überschneiden:
• Hippotherapie
• heilpädagogisches Reiten und heilpädagogisches Voltigieren
• Behindertenreiten und -voltigieren
Hippotherapie wird von PhysiotherapeutInnen mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt. Das Pferd wird als "lebendes Übungsgerät" eingesetzt. Der Patient reagiert auf die Schwingungen des Pferderückens. Auch andere Impulse wie z.B. Tempovariationen, gebogene Linien, Schritt-Halt können ausgelöst werden. Dabei normalisiert sich der Muskeltonus, das Gleichgewicht verbessert sich, Rumpf- und Kopfkontrolle wird gefördert und das Bewegungsgefühl wird geschult.
Heilpädagogisches Reiten und Heilpädagogisches Voltigieren (meist in Gruppen) dient der Förderung verhaltensauffälliger oder intelligenzgeminderter Kinder und Jugendlicher. Körperliche Behinderungen bestehen nicht. Es wird von einer pädagogischen Fachkraft mit Zusatzausbildung durchgeführt.
Behindertenreiten- und voltigieren ist eine Maßnahme der körperlichen und psychosozialen Rehabilitation, durchgeführt von reiterlich geschulten Fachkräften mit Zusatzausbildung.
Therapie im Schlingentisch:
Der Schlingentisch ist eine Gerätekonstruktion, in der ein Patient
die Schwerelosigkeit am ganzen Körper oder an einzelnen Körperteilen
erfahren kann. Mit Hilfe von speziellen Seilzügen und Schlingen werden
die einzelnen Körperteile hochgezogen und aufgehängt. Der Patient
kann unter Abnahme der Eigenschwere und ohne Reibungswiderstand Bewegungen
ausführen, die aufgrund von Schmerzen oder Muskelschwächen sonst
nicht möglich wären. Koordinationstraining und Mobilisation von
Gelenken, Dehnungen, Stabilisierungen und Extensionen der Wirbelsäule
und auch Entspannung in stabilen Aufhängungen sind möglich.
Thoraxbehandlung und -massage:
Die Thoraxbehandlung wird manuell oder apparativ durch Vibrax (z.B. Vibramat)
zur Sekretlösung durchgeführt. Hierbei kommen Klatschungen, Klopfungen,
Vibrationen, Dehnlagen und Packegriffe zum Einsatz. Das gelöste Sekret
wird anschließend abgehustet.
Übungsbehandlung im Wasser:
Übungen im Wasser fördern das Gleichgewicht und die Koordination.
Sie verbessern die Entspannungsfähigkeit und vermitteln Freude am Bewegen.
In der Therapie soll der Patient das größtmögliche Maß
an Selbständigkeit im Wasser erreichen. Die Übungen werden mit
möglichst wenig Fixation durchgeführt. Der Patient versucht seinen
Körper gegen horizontale und vertikale Kräfte zu kontrollieren
und sich selbständig und richtungsorientiert mit zu bewegen.
Ultraschalltherapie:
Durch Schallwellen wird eine mechanische Vibrationswirkung erzeugt. Diese
Mikromassage wirkt bis in eine Tiefe von 8 cm. Am Knochen wird der Schall
reflektiert. Ultraschall wirkt schmerzlindernd, permeabilitätssteigernd,
Verklebungen lösend, durchblutungsfördernd und muskelentspannend.
Er hat eine positive Wirkung auf die Geweberegeneration und Knochenheilung.
Unterwassermassage:
Die Unterwassermassage ist eine Massagebehandlung des ganzen Körpers
oder einzelner Regionen im Wasser mit Hilfe eines warmen Wasserdruckstrahls.
Die Reizstärke kann dosiert werden und richtet sich nach der individuellen
Empfindlichkeit und Belastbarkeit. Es kommt zur Anregung des Gewebsstoffwechsels,
zur Schmerzlinderung, zur vegetativ-psychischen Entspannung und zur Lösung
von Gewebsverklebungen und Vernarbungen.
Vojta:
Vojta ist ein Behandlungssystem zur Wiederherstellung angeborener Bewegungsmuster,
die durch Hirnschäden oder durch Traumata verloren gegangen sind. Diese
Methode wird vorrangig bei kindlichen neurologischen Bewegungsstörungen
oder bei Erwachsenen mit neurologischen Erkrankungen bzw. neuromuskulären
Störungen eingesetzt. Ziel ist es, physiologische Bewegungsabläufe
anzubahnen bzw. zu erhalten, bevor pathologisch veränderte Ersatzmuster
sich ausprägen können. Vojta baut auf dem Prinzip der Reflexfortbewegung
auf. Mittels Druck auf bestimmte Körperpunkte (Auslösezonen) lassen
sich reflektorische Bewegungen auslösen. Das erarbeitete Übungsprogramm
muss regelmäßig auch von den Eltern durchgeführt werden.
Wärmeanwendungen:
Wärmetherapien wirken mehrdurchblutend, muskeltonussenkend, schmerzlindernd,
entspannend und regen das Immunsystem an. Dazu zählen: Fango- und Moorpackungen,
heiße Rolle, warme Bäder, warme Kissen (Leinsamen- oder Heublumensack)
und Heißluftapplikationen.