Narkoserelevante
Besonderheiten
A) Erschwerter intravenöser Zugang
Aufgrund ihrer Stoffwechselerkrankung haben Kinder mit Mukopolysaccharidosen
häufig Veränderungen der Venenverhältnisse und der Haut.
Die Haut ist zumeist verdickt, die Venen schlecht zu tasten. Das Anlegen
der sog. ´Nadel´, d.h. des Zuganges zum venösen Gefäßsystem,
über den die Narkosemedikamente verabreicht werden, kann somit erschwert
werden. Mit speziellen, die Haut betäubenden Pflastern kann hierbei
dem Kind der Einstichschmerz genommen und der Vorgang sehr erleichtert werden.
B) Schwierige Intubation
Die veränderte Anatomie im Kopf-Hals-Bereich und im Bereiche der Atemwege
gilt als eine der wichtigsten Risikofaktoren für die Narkose bei MPS-Patienten.
Um dem Kind hierbei ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten, sollte
es fiberbronchoskopisch intubiert werden, d.h. der Narkoseschlauch, der
zur Sicherung der Atemwege in die Luftröhre eingelegt wird, wird hierbei
unter Sichtkontrolle mittels eines dünnen Endoskopes vorgeschoben.
C) Lungenprobleme
Verengungen der kleinen Atemwege, verkleinerte Lungenvolumina und häufig
wiederkehrende Infektionen der Lunge sind Erschwernisse, die bei manchem
MPS-Kind besondere Aufmerksamkeit verlangen. Solche Kinder bedürfen
eines besonderen, kindergeeigneten Narkosebeatmungsgerätes (druckkontrolliertes
Beatmungsverfahren), um einer Verschlechterung der Lungenerkrankung vorzubeugen.
Eine optimale Vorbehandlung der Lunge durch den betreuenden Kinderarzt ist
Voraussetzung für die Narkose.
D) Funktionsstörungen des Herzens
Leidet das Kind an Störungen des Herzmuskels, der Herzkranzgefäße
oder der Herzklappen, so müssen zur Narkoseführung Medikamente
gewählt werden, die den Kreislauf möglichst unbeeinträchtigt
lassen bzw. ihn sogar stützen. Zur Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktion
kann vom Anästhesisten eine Blutdruckmesskanüle in eine der Arterien
eingelegt werden. Hierüber kann der Kreislauf herzschlaggenau überwacht
werden. Auf diese Weise wird ein hohes Maß an Sicherheit bei Narkosen
erreicht. Auch für das Herz gilt, dass eine optimale Vorbereitung durch
den behandelnden Kinderarzt Voraussetzung für eine Narkose ist.
E) Lagerungsprobleme
Manche Kinder mit MPS zeigen erkrankungstypische Skelettveränderungen,
die die übliche Lagerung auf dem OP-Tisch erschweren und die bei nicht
fachgerechtem Umgang zu schmerzhaften Einschränkungen führen können.
Instabilitäten im Bereich der Halswirbelsäule können sogar
das Nervensystem gefährden. Somit muss der Lagerung im OP ein hohes
Maß an Aufmerksamkeit gewidmet werden und das Kind unter Einsatz entsprechender
Lagerungskissen und Stützapparaturen in eine Position gebracht werden,
die vor Schmerzen oder körperlichen Schäden schützt.
Die Eltern sollten bei den Vorgesprächen unbedingt sowohl den Narkosearzt
wie auch den Operateur genau über Skelettveränderungen (die nicht
immer offensichtlich sind), Einschränkungen der Skelett-Beweglichkeit
und über Körperstellungen, die das Kind nicht einnehmen darf informieren.
F) Schlaf-Apnoe-Syndrom
Das Schlaf-Apnoe-Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass
während des Schlafes Atempausen auftreten, die zu einem vorübergehenden
Sauerstoffmangel führen. Ursache ist meist eine Verlegung der Atemwege
durch Zunge und Weichteile des Rachens. Wenn solche Atempausen bereits im
Schlaf auftreten, so stellen sie für die Phase nach einer Narkose eine
besonders große Gefahr dar, da Narkosemedikamente selbst auch Atmung
und Atemwegskontrolle beeinträchtigen. Kinder, die hierunter leiden,
benötigen eine spezielle Form der Narkose (kurz wirksame Medikamente)
und eine kontinuierliche, postoperative Überwachung (Wachzimmer, Intensivstation).