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Typ VI: Enzymersatztherapie (EET)

Für MPS Typ VI konnte das Enzym N-Acetyl-Glukosamin-Sulfatase-B (kurz = ASB) künstlich hergestellt werden, das den Patienten fehlt. Das Prinzip der Enzymersatztherapie (EET) bei MPS VI basiert auf dem Verabreichen des defizienten Enzyms. Dieses Enzym wurde MPS-Patienten im Rahmen einer klinischen Studie über eine Infusion verabreicht. Diese Studie wurde von Prof. Dr. E. Kakkis in den USA durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse wurden vor einiger Zeit veröffentlicht (In: M. Beck (2006) Therapy. Galsufase: Enzyme Replacement Therapy for Mucopolysaccharidosis Type VI (Maroteaux Lamy). 3(1): 9-17).
In einer Phase I/II Studie, bei der sechs MPS VI Patienten mit rekombinanter ASB behandelt wurden, zeigte sich eine signifikante Reduktion der Glykosaminoglykan Ausscheidung (kurz GAG) im Urin (Behandlungsdauer: 24 Wochen bei 7-tägigem Infusionszyklus). Durch einen 6-Minuten-Gehtest wurde die Ausdauer der Patienten evaluiert, wobei 5 Patienten ihre zurückgelegte Gehstrecke nach 48 Wochen Studiendauer verbessern konnten. Während der Studie konnten keine behandlungsassoziierten Nebenwirkungen beobachtet werden. In keinem Fall musste die Therapie vorzeitig abgebrochen werden.
In einer kürzlich abgeschlossenen, Placebo-kontrollierten und Doppel-blind- Phase III- Studie konnten die oben genannten Beobachtungen bestätigt werden. Die mit ASB behandelte Patientengruppe zeigte mit statistischer Signifikanz eine bessere physische Leistungsfähigkeit als die Placebo-behandelten Patienten.
An der Studie nahmen 39 Patienten aus sechs Herkunftsländern im Alter von 5 bis 29 Jahren teil. Die Randomisierung erfolgte in zwei Gruppen: eine mit ASB behandelte Gruppe und eine Placebo-Kontrollgruppe. Jede Gruppe erhielt eine wöchentliche Infusion von jeweils 1,0 mg/kg KG ASB, bzw. eine Placebolösung über die Zeitdauer von 24 Wochen.
Tierstudien mit EET an MPS VI Katzen ließen vermuten, dass die Wirkungsweise der EET bei möglichst frühzeitigem Therapiestart und langfristiger Behandlungsdauer am effektivsten das Auftreten irreversibler Zellschäden verhindert.
Zusammenfassung der Studienergebnisse:

Die klinische Studie zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit (p= 0,025) bei den mit ASB behandelten Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Als klinischer Endpunkt diente die in 12 Minuten zurückgelegte Wegstrecke im Rahmen eines Gehtests.

Die klinischen Daten bewiesen eine statistisch signifikante Reduktion der GAG-Ausscheidung im Urin (p < 0,001) bei ASB behandelten Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Die Reduktion der GAG-Ausscheidung war weiterer klinischer Endpunkt der Studie. Bei einem weiteren Test, bei dem die Patienten zu dreiminütigem Treppensteigen aufgefordert wurden, zeigte sich ebenfalls ein positiver Trend in der Enzym-behandelten Patientengruppe (p = 0,053).

Die Studienergebnisse zeigten, dass die Behandlung mit ASB gut verträglich ist und dass Anzeichen einer Unverträglichkeit zwar bei Enzym-behandelten Patienten häufiger, jedoch stets in leichter bis mäßiger Ausprägung vorkamen. Die Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Wirkungen war in der Placebo-Gruppe sogar größer (siehe www.biomarinpharm.com).

Bezüglich der optimalen Dosisanpassung der EET für Patienten mit MPS VI bleiben noch einige Fragen offen. Brauchen z.B. Patienten mit einer schwereren Verlaufsform höhere Dosen als milder betroffene Patienten? Sind Knochen- und Gelenkschäden durch intravenöse Behandlung reversibel oder ist sogar eine intraartikuläre Applikation erforderlich? Manche dieser Fragen werden sich erst durch längerfristige Erfahrungen im Umgang mit dem Medikament beantworten lassen.
Das Medikament Naglazyme ist seit 31.3.2005 in den USA zugelassen, die Zulassung in Europa wurde am 30.1.2006 durch die Europäische Zulassungsbehörde EMEA erteilt, so dass auch in Deutschland erstmalig MPS VI Patienten mit einem zugelassenen Medikament gegen ihre Krankheit behandelt werden können! Dies ist ein großartiger Durchbruch im Bereich der MPS- Forschung und eine große Hoffnung für alle Patienten, die an Mukopolysaccharidosen leiden.

Naglazyme wurde von der Firma BioMarin entwickelt.

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