A) Nasen-/Rachen-/Atem-/Lungenprobleme
![]()
Diese Probleme kommen hauptsächlich bei Kindern mit schwerer Form von MPS Typ VI vor.
Oft haben Kinder mit MPS Typ VI eine ständig laufende Nase. Dicker gelblicher Schleim läuft auch ohne akute Infektion aus der Nase. Durch die Verdickung der Schleimhäute im Rachen kommt es nämlich zu einer andauernden Ansammlung von Schleim und so auch zu verstopften Luftwegen. Auch die Rachenmandeln können vergrößert sein und die Atemwege einengen. Die Luftröhre ist durch Speichermaterial verengt und versteift. So kommt es dazu, dass die Kinder sehr geräuschvoll atmen und nachts häufig schnarchen.
Ein spezielles Problem liegt darin, dass die Kinder im Schlaf Atempausen haben können. Die Eltern bemerken, wie ihr Kind nachts plötzlich aufhört zu atmen und erst nach einiger Zeit wieder anfängt geräuschvoll zu schnaufen. Eltern haben oft Angst, ihr Kind könnte auf einmal sterben. Die Kinder sind aber an die Atempausen gewöhnt und können jahrelang so atmen.
Das Problem dieser so genannten Schlafapnoen (Atemstillstände im Schlaf) ist vor allem, dass die Kinder tagsüber schläfrig und unkonzentriert wirken, da sie sich nachts nicht genug erholen. Außerdem weiß man nicht, inwieweit diese Atempausen und der daraus entstehende Sauerstoffmangel zur geistigen Symptomatik des Krankheitsbildes beitragen. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, ob Ihr Kind unter diesen Atempausen leidet.
Zur Diagnostik wird eine Schlaflabor- Untersuchung durchgeführt. Die Kinder verbringen eine Nacht in einem speziellen Kinder-Schlaflabor. Dort werden sie an verschiedensten Stellen verkabelt und ihr Schlafrhythmus die ganze Nacht über beobachtet und aufgezeichnet. Am nächsten Tag kann der Arzt feststellen, ob es Atempausen gab, wie häufig sie waren und wie schwer das Kind davon betroffen ist.
Manchmal reicht es dann schon, die Mandeln und Polypen entfernen zu lassen. So wird die Verengung der Atemwege verringert und das Atmen fällt den Kindern leichter. Ab und zu werden aber auch Schlafmasken, so genannte CPAP-Masken, verordnet. Diese Masken werden nachts getragen und beatmen den Patienten immer dann mit einem ganz bestimmten Druck, wenn eine Atempause gemessen wird. So wird verhindert, dass der Sauerstoffgehalt des Bluts nachts absinkt. Kinder haben anfangs oft Schwierigkeiten, die Masken zu tolerieren. Viele gewöhnen sich aber nach einiger Zeit daran, da sie selbst merken, dass ihnen das Tragen der Masken hilft.
Der Brustkorb von Kindern mit MPS Typ VI ist anders aufgebaut als bei gesunden: Die Rippen sind relativ gerade, die Beweglichkeit des Brustkorbs ist eingeschränkt. Das führt dazu, dass sich die Lungen beim Einatmen nicht vollständig mit Luft füllen können. Auch fällt den Kindern das Husten viel schwerer: Sekret, das sich bei Kindern mit Mukopolysaccharidose in den Lungen vermehrt anreichert, kann nur schlecht abgehustet werden. Dazu kommt, dass das Lungengewebe selbst durch die Ablagerung der Mukopolysaccharide immer steifer wird. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für Infektionen der Bronchien und Lungen.
Akute bakterielle Infektionen müssen meistens mit Antibiotika behandelt werden. Leider kommt es als Nebenwirkung häufig zu Pilzinfektionen im Mund und in der Scheide. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten und solche Pilzinfektionen zu therapieren, da sie sehr unangenehm und schmerzhaft sein können.
Zur Vorbeugung von häufigen Atemwegsinfekten werden den Kindern oft die Mandeln und Polypen entfernt. Ihr Kinderarzt kann Ihnen sagen, ob und wann das bei Ihrem Kind sinnvoll sein könnte. Viele Ärzte empfehlen auch schleimlösende Medikamente. Sie machen das Sekret in den Atemwegen dünnflüssiger, so dass es leichter abgehustet werden kann. Gerade in den Wintermonaten kann häufiges Inhalieren mit physiologischer Kochsalzlösung sinnvoll sein. Eine weitere gute Hilfestellung kann auch die Krankengymnastik leisten. Sie können verschiedene Arten von Klopfmassagen erlernen, die dazu beitragen, Sekrete aus der Lunge zu entfernen.
Auch das Herz ist von der Speicherung der Mukopolysaccharide betroffen. In den ersten Lebensjahren macht das meist keine größeren Probleme. Nach und nach lagert sich aber immer mehr Speichersubstanz ab.
Die Herzklappen dienen zur Abdichtung, wenn Blut von einer Herzkammer zur nächsten fließt. Wenn sich Ablagerungen auf der Herzklappe bilden, kann es dazu kommen, dass sich die Klappe nicht mehr richtig schließt (Insuffizienz). Oder aber die Herzklappenöffnung verengt sich und das Blut muss durch eine verkleinerte Öffnung in die nächste Kammer strömen (Stenose). Durch die veränderten Flussverhältnisse kommt es zu Geräuschen des Blutstroms, die der Arzt beim Abhören als Herzgeräusch erkennt.
Speichermaterial lagert sich auch im ganzen Herzmuskel ab: Der Herzbeutel wird dicker und träger und pumpt immer schwerer (Kardiomyopathie). Es kann zu Schmerzen in der Brust kommen, wenn das Herz nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Andere Kennzeichen sind Blässe, plötzliche Schweißausbrüche auch in Ruhe und ein hoher Blutdruck.
Es ist relativ einfach, die Herzbeteiligung zu erfassen. In regelmäßigen Abständen sollte bei Patienten mit MPS Typ VI eine Ultraschalluntersu- chung des Herzens durchgeführt werden (Echokardiographie). Außerdem kann ein EKG gemacht werden.
Meistens bleiben die Veränderungen am Herzen jahrelang ohne wesentliche Folgen. Wenn die Herzklappen stark zerstört sind, kann man sie durch künstliche Herzklappen ersetzen.
Am häufigsten kommt es am Auge zu einer weißlichen, oft gut sichtbaren Trübung der Hornhaut. Diese Trübung erschwert das Sehen der Patienten vor allem in der Dämmerung. Die Betroffenen haben dann das Gefühl, wie durch einen Vorhang zu gucken. Erwachsene Patienten mit M. Maroteaux-Lamy fahren deshalb oft nachts kein Auto. Außerdem kann diese Hornhauttrübung durch eine veränderte Lichtbrechung zu einer extremen Lichtempfindlichkeit führen.
Viele Patienten denken über eine Hornhauttransplantation nach. Wichtig ist, vorher abzuklären, ob nicht auch die Netzhaut und der Sehnerv von der Speicherung betroffen sind und die Sehverschlechterung mitverursachen.
Durch Ablagerung von Speichermaterial in der Sehnervenscheide kann es auch zu einem Druckschaden am Sehnerv kommen. In Spezialzentren kann eine entlastende Operation stattfinden, die den Sehnerv wieder freilegt und ihm Platz schafft.
Wichtig ist, die Sehfähigkeit und bei Verdacht auch die Sehnerven mittels Ultraschalluntersuchung regelmäßig zu untersuchen.
Es fällt auf, dass viele Kinder mit Mukopolysaccharidose nicht so gut hören. Die häufigste Ursache ist die so genannte Schallleitungsschwerhörigkeit. Sie entsteht durch häufige Mittelohrentzündungen.
Die richtige Funktion der Ohren hängt vom Druck hinter dem Trommelfell – also im Mittelohr – ab. Dieser Druck soll genau der gleiche sein wie im Außenohr und in der Atmosphäre. Der Körper gewährleistet das, indem er bei Bedarf den Druck über die Eustachische Röhre reguliert.

Diese Eustachische Röhre ist ein Gang, der das Mittelohr und die Rachenhinterwand miteinander verbindet. Leider ist bei Kindern mit Mukopolysaccharidosen die Eustachische Röhre (durch die vielen Erkältungskrankheiten) häufig blockiert. Es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr. Durch diesen Unterdruck wird das Trommelfell eingezogen. Es bildet sich eine Flüssigkeit im Mittelohr, die immer mehr eindickt und die Ausbreitung des Schalls verhindert. Oft spricht man dann von »eitrigen« Ohren. Hier verschreibt der Arzt oft antibiotische Ohrentropfen. Man kann bei sehr häufigen Mittelohrentzündungen auch eine Parazentese durchführen lassen. Dabei macht der Arzt in leichter Allgemeinnarkose einen kleinen Schnitt in das Trommelfell. So kann die eingedickte Flüssigkeit aus dem Mittelohr herausgesogen werden: Der Schallweg wird wieder frei. Oft legen die Ärzte gleich ein kleines so genanntes Paukenröhrchen in das kleine Loch im Trommelfell, um es längerfristig offenzuhalten. Leider fallen die Röhrchen manchmal wieder heraus. Es gibt aber spezielle Verweilröhrchen, zum Beispiel die T-Röhrchen, die länger im Ohr bleiben sollen.
Bei manchen Kindern ist es auch nötig, die Rachen- oder Gaumenmandeln entfernen zu lassen, die zur Blockierung der Eustachischen Röhre führen können.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind eine schmerzhafte Ohrenentzündung hat, sollten Sie unbedingt den Kinder- oder HNO-Arzt aufsuchen, um die Mittelohrentzündung auch medikamentös behandeln zu lassen.
Eine weitere Ursache der Schwerhörigkeit ist die Innenohrschwerhörigkeit. Im Innenohr liegen die Sinneszellen des Ohres, die so genannten Haarzellen. Diese Haarzellen nehmen den fortgeleiteten Schallreiz auf und leiten ihn weiter ins Gehirn. Wenn auch diese Zellen von der Speicherung betroffen sind, kommt es zur Innenohrschwerhörigkeit.
Der Kinderarzt kann zusammen mit einem HNO-Arzt für Kinder (Pädaudiologe) entscheiden, ob bei Ihrem Kind ein Hörgerät sinnvoll sein könnte. (Es gibt spezielle Hörhilfen für Kinder.) Gerade die verzögerte Sprachentwicklung ist nicht immer nur durch die allgemeine Entwicklungsverzögerung bedingt. Häufig muss die Schwerhörigkeit mit verantwortlich gemacht werden. Wenn Ihr Kind ein Mobiltelefon benutzt, dann achten Sie beim Kauf einer Hörhilfe darauf, dass dies nur mit ganz speziellen Geräten möglich ist.
Die Lippen bei Patienten mit MPS Typ VI können verdickt sein. Auch die Zunge kann vergrößert sein. Das Zahnfleisch ist manchmal verbreitert, die kleinen Zähne stehen weit auseinander.
Der Zahnschmelz bei Kindern mit MPS Typ VI ist weniger widerstandsfähig. So kann es sehr schnell zu Kariesbefall der Zähne kommen. Es ist daher sehr wichtig, die Zähne regelmäßig und gründlich zu pflegen. Man sollte Zähne und das empfindliche Zahnfleisch mit einer weichen Zahnbürste vorsichtig schrubben. Fluortabletten können die Struktur der Zähne verbessern.
Wenn bekannt ist, dass Ihr Kind an Herzproblemen leidet oder Herzklappenveränderungen hat, sollten Sie bei einem Zahnarztbesuch besonders vorsichtig sein. Bakterien, die sich im Mundraum befinden, können durch die Zahnbehandlung in die Blutbahn gelangen. Gerne lagern sie sich dann am vorgeschädigten Herzen ab. Es kommt zu einer Entzündung der Herzklappen und sie werden noch weiter zerstört. Um diese Komplikationen zu vermeiden, verabreicht man Patienten mit vorgeschädigtem Herzen im Rahmen einer Zahnbehandlung vorbeugend Antibiotika (Endokarditisprophylaxe).
Wenn Zähne unter Narkose gezogen werden müssen, dann sollte das immer nur im Krankenhaus unter der Aufsicht eines erfahrenen Narkosearzts geschehen!
Bei Kindern mit MPS Typ VI sind Leber und Milz durch die Ablagerung von Speichersubstanzen manchmal stark vergrößert (Hepatosplenomegalie). Manchmal kommt es durch die vergrößerten Organe zu einem recht starken Völlegefühl. Es kann auch sein, dass die Organe das Zwerchfell nach oben drücken und die Lunge dadurch weniger Platz hat, sich bei der Einatmung richtig zu entfalten. Normalerweise aber verursacht die Organvergrößerung keine schwer wiegenden Probleme.
F) Bauch, Nabel- und Leistenbrüche
![]()
Durch die vergrößerte Leber und Milz kommt es zu einer starken Vorwölbung des Bauches. Die typische Haltung eines Kindes mit MPS Typ VI und die Schlaffheit seiner Bauchmuskulatur verstärken diesen Eindruck noch.
Die schlaffe Bauchwand führt noch zu weiteren Schwierigkeiten: An besonders schwachen Stellen der Bauchdecke können Teile des Bauchinhaltes hervortreten. Das bezeichnet man als »Bruch», die Ärzte nennen es »Hernie «. Am häufigsten kommt es zu Leisten- und Nabelbrüchen.
Leistenbrüche müssen meist operiert werden, da die Gefahr besteht, dass sich Darmanteile im Bruchkanal einklemmen. Das verursacht große Schmerzen und kann den Darm auch verletzen. Nabelbrüche werden meistens nicht behandelt, es sei denn, sie sind sehr groß und werden als störend empfunden.
Viele Kinder mit MPS Typ VI leiden unter häufigen Durchfällen. Es ist bis heute nicht geklärt, woher diese Durchfälle eigentlich kommen. Es wird vermutet, dass ein Defekt des vegetativen Nervensystems dafür verantwortlich ist, also eine Störung im Bereich des Nervensystems, der ohne unseren Willen geregelt wird.
Die Eltern können selbst am besten einschätzen, ob es bestimmte Wege gibt, die Durchfälle zu lindern. Einige berichten davon, dass pürierte Kost oder Jogurtzufütterung helfen können. Manche Eltern stellen die Ernährung ihrer Kinder völlig um. Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass diese Durchfälle zwar unangenehm sind, aber den Gesundheitszustand Ihres Kindes nicht wesentlich beeinträchtigen. Nur ganz selten brauchen die Kinder medikamentöse Hilfe. Sie sollten Medikamente aber nur mit Zustimmung Ihres Kinderarztes geben.
Wenn die Kinder älter werden und sich weniger bewegen, kann es auch zu Verstopfungen kommen. Auch hier ist eine Nahrungsumstellung oft hilfreich. Es gilt die gleiche Regel: Medikamente gegen Verstopfung sollten nur mit Zustimmung des Kinderarztes gegeben werden.
Ernährung
Eigentlich kann Ihr Kind alles essen, worauf es Lust hat. Achten Sie aber
immer auf ausgewogene Ernährung. Eine vorsichtige Nahrungsumstellung
kann bei starken Stuhlunregelmäßigkeiten hilfreich sein.
Ein Röntgenarzt kann schon anhand eines Röntgenbilds den Verdacht auf eine Speicherkrankheit stellen, weil bei Mukopolysaccharidosen das Skelettsystem einige spezielle Merkmale hat. Man nennt diese Merkmale »Dysostosis multiplex«.
Zu diesen Veränderungen gehört eine Missbildung des Hüftgelenks: Alle Patienten leiden an einer Hüftgelenksluxation, das heißt, die Hüftgelenke sind mehr oder weniger stark ausgerenkt. Eine Behandlung ist allerdings nicht immer notwendig. Außerdem haben viele Patienten X-Beine. Auch diese werden normalerweise nicht behandelt. Sollte es zu besonders starken Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit kommen, sollten Sie einen erfahrenen Orthopäden um Rat fragen. Grundsätzlich wird Patienten mit Störungen im Skelettsystem Krankengymnastik angeraten. Es gibt viele Arten von Krankengymnastik, die Schmerzen vorbeugen oder lindern und auch die Versteifung der Gelenke hinauszögern können. Wichtig ist, niemals Übungen durchzuführen, die Schmerzen verursachen. Fragen Sie dazu Ihren Kinderarzt und den Physiotherapeuten.
J) Gelenke
![]()
Die Hände der Patienten mit MPS Typ VI können eine ganz charakteristische
Form haben: Sie wirken plump und die Finger sind gekrümmt. Zusätzlich
sind die Fingergelenke versteift. Manche Kinder können auch mit Anstrengung
ihre Finger nicht gerade ausstrecken. Man bezeichnet diese Krümmung
der Gelenke als Kontrakturen. Auch die verdickte Haut der Kinder fällt
besonders an den Händen auf. Ein Problem besteht darin, dass durch
die Krümmung der Gelenke die Beweglichkeit der Hände stark eingeschränkt
sein kann.
Die Füße zeigen ähnliche Veränderungen wie die Hände. Sie sind breit und wirken plump. Auch die Zehen sind versteift und gekrümmt. Auch alle anderen Gelenke des Körpers können solche Kontrakturen zeigen und die Kinder damit in ihrer Beweglichkeit einschränken. Gerade die Krümmungen im Schulter- und Ellenbogengelenk können schon das An- und Ausziehen für die Kinder beschwerlich machen.
Viele Kinder haben beim Stehen und Gehen gebeugte Knie und Hüften. Das bewirkt zusammen mit einer verkürzten Achillessehne, dass die Kinder häufig auf Zehenspitzen gehen.
Man muss wissen, dass die Fehlbelastung der steifen, unbeweglichen Gelenke Schmerzen verursachen kann.
Kleidung und
Schuhe
Es kann schwierig werden, für Ihr Kind passende Kleidung und Schuhe
zu finden. Am wohlsten fühlen sich die Patienten in luftigen Turn-
oder Leinenschuhen. Im Sommer tragen sie gerne Sandalen oder bequeme Schläppchen.
Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind möglichst selbständig anund
ausziehen kann. Beispielsweise empfiehlt es sich, ihm Jacken anzuziehen
statt Pullover, die es nicht über den Kopf bekommt.
Die Knochen der Wirbelsäule nennt man Wirbelkörper. Bei Patienten mit MPS Typ VI sind die Wirbelkörper in typischer Weise geformt. Besonders die Wirbelkörper der Brust- und oberen Lendenwirbel zeigen die typische Angelhakenform. Dadurch kann ein Buckel entstehen (Gibbus), der manchmal eines der ersten Anzeichen für eine Stoffwechselkrankheit ist. Manchmal kommt es durch die Deformierungen der Knochen zu Schmerzen im Hals- und Nackenbereich.
Bei Patienten mit MPS Typ VI entwickelt sich in seltenen Fällen ein Stau von Flüssigkeit im Gehirn (Hydrozephalus). Normalerweise wird die Flüssigkeit regelmäßig durch den Rückenmarkskanal weitergeleitet. Wenn hier eine Störung vorliegt, kann ein dünnes Rohr gelegt werden (ein so genanntes Shuntsystem), um die Flüssigkeit vom Gehirn abzuleiten.
Bei MPS Typ VI kann es noch zu einer weiteren Komplikation kommen:
Das Rückenmark und das Gehirn sind von schützendem Bindegewebe umgeben. Gerade im Halswirbelsäulenbereich lagert sich Speichersubstanz in diesem Bindegewebe ein. Dadurch kann es so dick werden, dass das Rückenmark und Teile des Gehirns eingeengt und durch den Druck geschädigt werden. Um die Zerstörung der Nerven zu vermeiden, kann die Wirbelsäule operiert werden. Es wird dann verdicktes Bindegewebe entnommen und so wieder Platz für das Rückenmark und andere Strukturen geschaffen.
Es ist wichtig, die Einengung des Rückenmarkkanals schon frühzeitig zu entdecken, bevor es zu schweren Nervenschädigungen kommt. Regelmäßige Kernspinaufnahmen und bei Verdacht auch eine elektrophysiologische Untersuchung geben Aufschluss darüber, ob die Gefahr der Einengung und Schädigung besteht.
Ein typisches Krankheitsbild bei MPS Typ VI ist das Karpaltunnelsyndrom. Die Patienten klagen darüber, dass ihre Hand einschläft. Nachts wachen sie mit Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern auf. Diese Symptome entstehen durch den Druck auf einen Nerv, der über das Handgelenk im so genannten Karpaltunnel bis in die einzelnen Finger verläuft. Dieser Nerv ist von Sehnen und Bandstrukturen umgeben, in die auch Speichersubstanz eingelagert wird. Mit der Zeit werden diese Gewebe so dick, dass sie direkt auf den Nerv drücken und Beschwerden verursachen, oft sogar in beiden Händen.
Es ist relativ einfach, ein Karpaltunnelsyndrom zu erkennen. Meistens kann eine Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit schon zur Diagnose führen. In einem kleinen chirurgischen Eingriff kann man den Nerv von den verdickten umgebenden Strukturen lösen und die Beschwerden beheben.
Durch die Einlagerung der Speichersubstanzen wird die Haut der Patienten mit MPS Typ VI dicker, fester und wenig elastisch. Bei manchen Kindern mit besonders dicker Haut können Blutentnahmen für den Arzt schwierig sein.
Kalte Hände
und Füsse
Die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur zu regeln, kann bei Kindern
mit Mukopolysaccharidose gestört sein. Die Ursache ist eine zentralnervöse
Regulationsstörung (eine Störung im Bereich des Nervensystems,
der ohne unseren Willen geregelt wird). So kann bei vielen Kindern beobachtet
werden, dass die Hände und Füße abwechselnd eiskalt oder
auch heiß und schweißig werden. Manche Kinder müssen besonders
warm gehalten werden, andere vertragen nicht allzuviel Hitze.
N) Schmerzen
Es gibt viele Möglichkeiten, warum Ihr Kind Schmerzen haben kann. Da
gibt es beispielsweise Mittelohrentzündungen, Zahnschmerzen, Gelenkschmerzen,
Kopf- oder Bauchweh. Wenn die Kinder sich nicht ausdrücken können,
dann werden sie bei Schmerzen unruhig oder schreien. Meistens kennen die
Eltern ihre Kinder aber so gut, dass sie schnell herausfinden, was das Problem
ist.
Manchmal haben die Kinder auch Schreianfälle, deren Ursache nicht in körperlichen Problemen, sondern einfach im besonderen Verhalten der Kinder liegt. Wenn Sie aber unsicher sind oder sich sorgen, zögern Sie nicht, Ihren Kinderarzt nach der Ursache oder nach Therapiemöglichkeiten zu fragen.