Zu Zeit gibt es noch keine Möglichkeiten einer ursächlichen Therapie. Leider bringen weder Enzymersatztherapie noch Knochenmarktransplantation den gewünschten Erfolg. Auch ist ein Austausch des defekten Gens noch nicht möglich.
Ziel der Behandlung v.a. bei den ML II-Kindern ist, Schmerzen zu lindern und einzelne Symptome, wie z.B. eine Lungenentzündung oder Bluthochdruck zu bekämpfen.
Behandlungsmöglichkeiten auf einen Blick
a) Physiotherapie
Ausführliche Informationen zur Physiotherapie bei ML II und III finden
Sie hier.
b) Ergotherapie
Bei der Ergotherapie für ML-Patienten geht man ähnlich wie bei
Patienten mit Rheuma vor: Wärmetherapie, Ausstreichen der Gelenke,
Massage.
Methode: motorisch – funktionell, sensomotorisch - perzeptiv
Ziele:
Fallbeispiel „Jeremy“:
Insbesondere im Winter litt Jeremy aufgrund der Kälte unter starken
Schmerzen. Deshalb erwies es sich als sinnvoll, mit Jeremy baden zu gehen,
da hier der komplette Körper erwärmt wurde.
Die Wärme des Wassers sowie das Ausstreichen der Gelenke im Wasser
und nach dem Baden linderten nicht nur seine Schmerzen, sondern verhalfen
ihm zudem zu einem größeren Bewegungsausmaß.
In der Wanne machten wir zudem Spiele, die ihn dazu anregten, seinen Arm
möglichst weit nach vorn und nach hinten anzuheben. Hierzu eigneten
sich besonders gut „Wurfspiele“ wie Wasserball o.ä. die
ihn außerdem dazu animierten, im Rumpf ein gewisses Maß an Rotation
aufzuwenden. Außerdem erfanden wir Spiele, die immer wieder den Pinzettengriff
so wie ein Maß an Pro- und Supinationsbewegungen (bestimmte Drehbewegungen
des Unterarms) von ihm forderten.
Der Hohe Aufforderungscharakter des Spiels regte Jeremy an, sich aktiv zu
bewegen und somit an dem Abbau der Ablagerungen teilzuhaben. Schon während
des Badens konnte eine deutliche Verbesserung des Bewegungsausmaßes
beobachtet werden.
Das Eincremen (sowohl aktiv wie auch passiv) nach dem Baden und Ausstreichen
der Gelenke wirkten entspannend und ausgleichend auf Jeremy.
c) Logopädie:
Die logopädischen Maßnahmen umfassen das Erstellen einer Diagnose,
Beratung und die Therapie von Störungen des Sprachverständnisses,
der gesprochenen und geschriebenen Sprache, des Sprechens, der Atmung, der
Stimme, der Mundfunktion, des Hörvermögens, des Schluckens und
der Wahrnehmung. Die regelmäßige und ausführliche Beratung
der Angehörigen (Eltern/Partner/Kinder) gehört auch zum Tätigkeitsfeld.
Im allgemeinen lässt sich für Kinder mit einer Mukolipidose sagen,
dass Logopädie durchaus ein sinnvolles Therapieangebot sein kann. Die
Kinder wollen kommunizieren und sind ausgesprochen kontaktfreudig. Hier
können sie durch die Logopädie weiter gefördert werden.
Durch die z. T. massiven Einlagerungen im Mundbereich ist bei den Kindern
oft soviel Zahnfleisch vorhanden, dass die Zähne überdeckt werden.
Auch in diesem Fall kann die Logopädie den Kindern Erleichterung verschaffen
und den Mund und seine Muskulatur entspannen.
Informationen zur Logopädie und ihrer Therapiemöglichkeiten erhält
man über seinen Kinderarzt oder die zuständige Frühförderstelle.
d) Infekttherapie/Prophylaxe:
Viele Kinder mit ML II nehmen Medikamente, die ihnen die Atmung erleichtern.
Dazu eignen sich Inhalationen und Sprays, ähnlich wie sie auch in der
Asthma -Therapie verwendet werden. Hat ihr Kind eine Erkältung, Husten
oder Fieber, sollte großzügig mit Antibiotika behandelt werden,
um schlimmere Infektionen zu vermeiden. Alternative Methoden zur Vorbeugung
von Atemwegsinfekten sind die Atemtherapie (siehe
Physiotherapie) und das Anfeuchten der Atemluft in den Wintermonaten
im Schlafzimmer der Kinder.
e) Impfungen:
siehe Atemwege
f) Verbesserung der Atmung:
Unterstützung der Atmung benötigen viele ML II-Kindern. Das kann
in Form von einer Nasenbrille erfolgen, über die Ihr Kind bei Bedarf,
z.B. im Rahmen eines Infektes, Sauerstoff erhält. Manche Kinder tragen
nachts eine Sauerstoffmaske, über die bei längeren Atempausen
mit einem bestimmten Druck Sauerstoff verabreicht wird. Allerdings können
die Masken den Schlaf der Kinder auch stören.
Bei Kindern mit einer schweren Verlaufsform der Mukolipidose ist es in manchen
Fällen nötig, über einen Luftröhrenschnitt eine Kanüle
in die Luftröhre zu legen (Tracheotomiekanüle), damit sie ausreichend
Luft bekommen. Über die Kanüle können die Kinder unter Umgehung
des engen, oberen Atemwegs dann selbständig atmen, oder, wenn nötig,
an ein Sauerstoffgerät angeschlossen werden.
g) Psychologische Beratung bei Mukolipidose:
Psychologische Beratung kann in verschiedenen Krankheitsabschnitten sinnvoll
sein.
Bei der Diagnosestellung kann sie helfen, die neuen Informationen bzgl.
der Diagnose, dem Umgang im Alltag und der Prognose zu verarbeiten. Darüber
hinaus können Strategien zum Umgang mit der Erkrankung entwickelt und
Hilfestellung bei familiären Schwierigkeiten gegeben werden.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann psychologische Beratung zu unterschiedlichen
Zeitpunkten und Themen sinnvoll sein, beispielsweise bei der Integration
der Kinder in den Kindergarten, bei der Planung der Schullaufbahn bzw. dem
Schulbeginn, bei der Geburt von Geschwisterkindern und bei Fragen von betroffenen
Kindern und Geschwistern über die Erkrankung. Außerdem kann Beratung
generell bei Schwierigkeiten der Kinder oder der Eltern unterstützen.
Bei einer eingeschränkten Lebenserwartung kann psychologische Beratung
der Eltern, Kinder und Geschwister im Vorfeld hilfreich sein, um das Abschiednehmen
zu erleichtern, aber auch im Nachhinein zur Trauerbewältigung.
Das Gespräch mit Psychologen oder Psychotherapeuten kann den Austausch
mit anderen Betroffenen sinnvoll ergänzen.
Gerne steht Ihnen auch bei Fragen zur Trauer/Trauerbewältigung
Maria Friedel, die Ansprechpartnerin der MPS-Gesellschaft zum Thema "Trauer",
zur Verfügung:
Tel.: 034979-309900
E-Mail: friedel@mps-ev.de
Autoren:
Melanie Merkel (München)
Dr. Nicole Muschol (UKE Hamburg)
Prof. Dr. Thomas Braulke (UKE Hamburg)
Dr. Elke Miebach
(Uniklinik Mainz)
Sabrina Asbrock, Bettina Wildi
(Gesellschaft für MPS e.V.)
Wiss. Berater: Prof. Dr. Michael Beck
erstellt: 12/2008
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