Knochenmarktransplantation (KMT)

 


 

1981 wurde mittels KMT der erste Patient mit MPS IH (Morbus Hurler) in England behandelt. Heute gilt die KMT bei frühdiagnostizierten Kindern als Therapie der Wahl bei dieser MPS. Inzwischen liegen Erfahrungen bei ca. 500 Menschen weltweit vor, die eine KMT bei MPS I erhalten haben. Das Behandlungsprinzip klingt einfach: die fremden und transplantierten Blutzellen produzieren das fehlende Enzym und stellen es im Körper des Patienten zur Verfügung.

Durch eine früh durchgeführte Stammzelltransplantation kann die intellektuelle Entwicklung von Patienten mit M. Hurler positiv beeinflusst und die Lebenserwartung erheblich verbessert werden. Auch andere Symptome der Erkrankung (vergröberte Gesichtszüge, Hornhauttrübung, Zahnfleisch- und Zungenverdickung, Herz- und Lungenbeteiligung, Leber und Milzvergrößerung) können durch eine Transplantation positiv beeinflusst werden. Die Skelettveränderungen hingegen verbessert eine Transplantation nicht.

Bei einer Stammzelltransplantation werden dem Patienten Zellen einer anderen Person infundiert (intravenös verabreicht), welche die hämatopoetischen (Blut-) Zellen des Patienten ganz oder teilweise ersetzen sollen. Als Spender kommen Verwandte des Patienten oder auch fremde Personen in Frage, deren HLA-Gewebemerkmale so weit wie möglich mit denen des Patienten identisch sind.

Bei einer Transplantation hat man einen Spender und einen Empfänger. Der Spender „spendet“ Knochenmark (KMT) oder periphere Stammzellen (PBSZT = periphere Blut-Stammzell Transplantation). Eine weitere Möglichkeit ist die Transplantation von Nabelschnurblut (englisch: cord-blood). Der Empfänger des Knochenmarkes (bzw. der Stammzellen oder des Nabelschnurblutes) ist in der Regel mit dem Spender „HLA“-identisch. Das bedeutet, die Gewebemerkmale, die jede Körperzelle besitzt (um „eigen“ und „fremd“ zu unterscheiden), müssen bei Spender und Empfänger übereinstimmen. Hierbei handelt es sich nicht etwa um die Blutgruppen, diese können durchaus unterschiedlich sein. Die Eltern eines Kindes sind in der Regel zur Hälfte „HLA-identisch“, Geschwister mit einer Chance von 25 % komplett HLA-identisch. In den Spender-Banken bzw. Registern (u. a. NKR, DKMS, BMDW) sind mehrere Millionen Spender registriert, daher findet man heutzutage für die meisten Menschen innerhalb von 2 – 3 Monaten auch einen HLA-identischen (fremden) Spender (der so genannte „genetische Zwilling oder Fremdspender“). Dank moderner Verfahren ist bei Fehlen eines „traditionellen“ (= Fremd-) Spenders auch die Spende durch einen Elternteil ((auch haplo(halb)identischer Spender), Nabelschnur- Blut oder andere, nicht HLA-identische Spender möglich.

Ob und warum manchmal Knochenmark, manchmal periphere Stammzellen und manchmal Nabelschnurblut transplantiert wird, hängt von den speziellen Gegebenheiten jeder Transplantation ab. Diese Entscheidung treffen die transplantierenden Ärzte

Teams. Für MPS gilt, dass prinzipiell gleichwertige Behandlungsergebnisse für die Transplantation von Geschwistern, Fremdspendern und Nabelschnurblut vorliegen. Die Erfahrungen bei KMT mit Kindern, die mit einer MPS IH geboren wurden, zeigen die Fortschritte auf diesem Gebiet: Vor 25 Jahren fand die erste KMT bei einem Patienten mit MPS IH statt, vor 15 Jahren starb noch fast jedes zweite MPS-Kind im Rahmen einer Fremdspender-KMT und heute ist es fast Standard, die Kinder mit MPS IH frühzeitig zu transplantieren. Dennoch gibt es auch regelmäßig Komplikationen der Patienten, die KMT bleibt leider eine gefährliche Prozedur.

Für die Zukunft sind hinsichtlich der KMT weitere Fortschritte für die Patienten durch eine bessere HLA-Typisierung (dadurch weniger GVHD) zu erwarten. Durch dosierte Gaben von Spender-Lymphozyten sollen Abstoßungen verhindert werden. Des weiteren arbeiten in Deutschland mehrere Kliniken mit einem alternativen Protokoll für die Transplantation bei MPS IH. Ziel war und ist es, die „typischen Komplikationen“ bei Kindern mit MPS IH (Lungenblutungen, Abstoßung des Transplantates) zu verhindern. Dennoch gibt es auch regelmäßig Komplikationen der Patienten, die KMT bleibt leider eine gefährliche Prozedur.

Die weiteren Bemühungen (medizinisch- wissenschaftlich) gelten auch der langfristigen Nachsorge nach KMT: Knochen, vorgeschädigte Herzklappen, Hornhauttrübungen der Augen scheinen von der Knochenmarktransplantation nicht ausreichend zu profitieren. Hier arbeiten die Stoffwechselzentren in der Nachsorge daran, die Kinder auch Jahre nach der KMT optimal zu beraten. Es gibt es noch viele offene Fragen, die nur in einem Netzwerk von Experten beantwortet werden können.

Kombination KMT mit einer Enzymersatztherapie (EET) Zur besseren Konditionierung der Patienten wird in einigen Fällen vor und nach der Knochenmarktransplantation für einige Zeit eine Enzymersatztherapie (siehe unten) durchgeführt. Die Entscheidung dazu wird von den Ärzten der Kliniken getroffen. Zusammenfassung Die Transplantation von Knochenmark bzw. Blutstammzellen ist eine bewährte Therapie bei Kindern mit MPS I, um den Krankheitsverlauf abzumildern. Die KMT heilt ein Kind mit MPS aber leider nicht! Durch die KMT werden besonders die schweren Schäden am Gehirn gebremst und aufgehalten, aber einige Probleme der MPS bleiben, besonders die der Knochen bzw. des Skelettsystems. Bereits entstandener Schaden kann nicht unbedingt rückgängig gemacht werden. Eine KMT ist auch gefährlich, es drohen z. B. Infektionen oder Blutungen. Viele Familien haben sich dennoch in den letzten Jahren für eine KMT entschieden und diese erfolgreich überstanden. Dies ist immer eine schwierige und individuelle Entscheidung. Sie sollten sich im Vorfeld eingehend über die Chancen und Risiken einer KMT informieren.

Es gibt nur wenige Zentren in Deutschland, die Erfahrungen mit Transplantationen bei MPS haben. Deren Kontaktdaten erhalten Sie über Ihr behandelndes Stoffwechselzentrum oder die Gesellschaft für MPS e. V.

Weitere Infos siehe auch hier.